Forst

Forst liegt im sogenannten Bruhrain; ein Wort, das aus dem alt- hochdeutschen Wort „bruoh“, das ein Moor-und Sumpfgebiet bezeich- net und dem bekannten Wort „Rain“ zusammengesetzt ist. Es handelt sich dabei um den einstigen Kinzig-Murg-Fluß, in dem die Wasser aus dem Nordschwarzwald und aus dem Pfinz- und Kraichgau sich sammelten; er verlief am Rande der Hügel von Süd nach Nord und mündete auf der Höhe von Wiesloch in den Rhein. Im Mittelalter soll er sogar schiffbar gewesen sein.  Das Gebiet wurde in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts trocken gelegt, es blieb jedoch bis heute ein Feuchtgebiet mit hohem Grundwasserstand, immer noch sichtbaren Entwässerungsgräben. Die Gewannbezeichnung „das Bruch“ ist bid heute geläufig. Im übrigen war die Rheinebene von einem Waldgebiet bedeckt, dem Lußhardt, der sich von der Höhe Rastatt bis nach Mannheim erstreckte. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit in der Rheinebene, nämlich Kies und Sand, finden sich vorwiegend Nadelhölzer.

Die Besiedelung erfolgte im Kraichgau mit seinen fruchtbaren Löß-
böden natürlich früher. Ältester Fundort in der Gegend mit dem Nachweis einer sesshaften Bevölkerung, ist der Michaelsberg, wo Siedlungsreste aus der Jungsteinzeit, ca 3500 v. Chr., ausgegra-
ben wurden. Im Forster Raum fanden sich Grabreste im Gewann Maienäcker, Richtung Karlsdorf, deren Inhalte auf eine Besiedlung in der Bronzezeit, um 1000 v.Chr., hindeuten. Überreste aus der Römerzeit, die auf eine Besiedelung hinweisen, fanden sich an einigen Stellen, Das ist nicht verwunderlich, wenn man beachtet, dass eine der wichtigsten römischen Verbindungsstraßen entlang des Hügelrandes verlief (heutige B3).

Man kann annehmen, dass Forst von Bruchsal aus besiedelt wurde, es war auch bis zum 15.Jahrhundert ein Teil dieser Stadt. Bruchsal selbst war zur Zeit der deutschen Kaiser, also 9./10. Jahrhundert, einer der vielen Königshöfe, die über das Land ver-
teilt waren und die dem Kaiser und seinem Gefolge die Möglichkeit boten, einige Zeit dort zu verbringen, da es so etwas wie eine Hauptstadt noch nicht gab.
In diese Zeit fällt auch der Beginn des Fürstbistums Speyer, das die Forster Entwicklung bis zum Beginn des 19.Jahrhundert prägte. Die deutschen Fürstbischöfe verdanken ihre Entstehung den deut-
schen Kaisern des Mittelalters, die Wahlkaiser waren, und die sich gegenüber den weltlichen Fürsten ein politisches Gegenge-
wicht schaffen wollten. Der Bischof von Speyer mit dem Dom als Grablegungskirche war ein solcher Sitz. Im Jahre 1056 übertrug Heinrich III. ihm den Königshof in Bruchsal, was noch nicht hieß, dass er Alleinherrscher in der Gegend war. Es gab noch eine Reihe von kleineren adligen Besitztümern wie der Marktgraf von Baden, der Herzog von Württemberg, usw., die alle das Bestreben hatten, ihre Landesgrenzen auszudehnen.

Das Fürstbistum Speyer zerfiel in einen rechts- und linksrheini-
schen Teil. Es verleibte sich im Laufe der Zeit viele kleinere Besitztümer der Umgebung ein. Zunächst war der Hauptsitz Speyer. Nachdem jedoch 1294 Speyer freie Reichstadt wurde, gab es Schwie-
rigkeiten mit den Bürgern, die den Bischof veranlaßten, den Sitz nach Udenheim (Philippsburg) zu verlegen. Der Ausbau zur Festung bewog den Bischof, sich im Jahre 1615 aus der Frontlinie zurück zu ziehen und seinen Sitz in Bruchsal zu nehmen, wo er dann bis zur Auflösung des Fürstbistums im Jahre 1803 verblieb.

Die erste Erwähnung von Forst findet sich im Codex Hirsaugensis (Kloster Hirsau, nahe Calw) um 1150, in dem von einer Schenkung von 4 Bauernhöfen in Forst an das Kloster die Rede ist. Bis zum Beginn des 15.Jahrhunderts war Forst ein Teil Bruchsals. Erst danach wurde es selbständige Gemeinde, die von einem Schultheis, Anwalt, Stabhalter, Vogt verwaltet wurde; alle diese Begriffe
finden sich für die Bezeichnung der untersten Verwaltungsstufe der Gemeinden im Auftrag des Bischofs. Der Name Bürgermeister ist eine Bezeichnung des 19.Jahrhunderts. Das erste vom Bischof als Landesherr in Auftrag gegebene Einwohnerverzeichnis  von Forst aus den Jahren 1465/66 spricht von einem Bestand von 45 Haushal-
tungen („Hausgesessen“). Da unmündige Kinder, Knechte und Mägde nicht aufgeführt waren, darf man eine Zahl von ca.250 Einwohner annehmen. Der Begriff der Leibeigenschaft war jedoch im Fürst-
bistum unbekannt.

Aus dieser Zeit sind viele Urkunden bekannt, die hauptsächlich Grundstücksangelegenheiten umfassen. Es ist interessant, dass viele Gewannnamen wie z.B.„ob der wannen","ingenauer weg","am wolfsrain","am eschich","buckloch“ auch heute noch gebräuchlich sind. Auch die Namensbildung der einfachen Leute erfolgte in die-
ser Zeit. Während vorher nur der Adlige durch sein Lehen einen Namen führen musste, erfolgte nun auch eine Namensgebung für den einfachen Bürger. Die Schreibweise jedoch erfolgte hauptsächlich nach phonetischen Gesichtspunkten bzw. nach dem Gusto des Schrei-
bers. Die Festlegung der Schreibweise von Namen erfolgte erst im Laufe des 19.Jh. mit der wachsenden Bürokratie. Dies bedeutet z.B., dass die verschiedenen Schreibweisen des Namens „Burkard“ völlig unerheblich sind, sie gehen alle auf den gleichen Wortstamm zurück. In einem Jahresverzeichnis Forster Bürger aus dem Jahre 1530 sind die Namen „Weindel“ und „Burkard“ noch nicht enthalten, auch nicht in ähnlicher Form.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen des 15.und 16.Jahrhunderts um die Reformation beeinflussten die Entwicklung der Gemeinde Forst nur wenig, da das Fürstbistum relativ liberal war. Es gab immer einige Protestanten und Kalvinisten in Forst. Erst in den letzten Jahren des dreißigjährigen Krieges, in dem Frankreich als Verbündeter Schwedens eingriff, wurde 1644 Forst völlig nieder- gebrannt. Die Bevölkerung fand teilweise Zuflucht im befestigten Bruchsal. 1645 hatte Forst noch 5 Bürger. Nach dem Frieden von Münster und Osnabrück, der den Krieg 1648 beendete, erholte sich Forst, nicht zuletzt deshalb, weil der Fürstbischof auch fremde Bürger in sein zerstörtes Land holte. 1683 lebten in Forst wieder 37, im Jahre 1701 80 und um 1720 100 Familien. Aus einem gericht-
lichen Verhörregister des Jahres 1746 mit Herkunftangaben  wird u.a. ein Jakob Burkardt genannt, der mit seinen Eltern um 1700 zugewandert sein soll.

Die kriegerische Pause war nur kurz, da die Eroberungskriege Ludwig XIV. (1667-1697) auch entlang des Oberrheins geführt wur-
den; die Festung Philippsburg mit dem Bruhrain lagen im Kernpunkt des Geschehens und alle Truppen lebten weitgehend aus dem Land. 1688 verwüsteten die Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg systematisch unter General Melac einen breiten Streifen Landes beiderseits des Rheins. Bruchsal, Mannheim und Heidelberg gingen in Flammen auf, um den nachdrängenden kaiserlichen Truppen die Versorgung zu nehmen. Die „verbrannte Erde“ ist keine Erfindung des 2.Weltkrieges. Der Name „Melac“ für bösartige Hunde war noch lange bis in das 20.Jahrhundert in Nordbaden gebräuchlich. In den Kriegen des 18.Jahrhunderts waren die Auswirkungen für Forst weniger schwerwiegend. Es gab allerdings immer wieder Besatzung von Kaiserlichen und Franzosen mit den damit verbundenen Kriegs-
lasten wie Frondienste und Steuern. Das Fürstbistum selbst stell-
te dem kaiserlichen Heer Soldaten zur Verfügung, die aus der Bevölkerung rekrutiert wurden.
1803 brachte der Reichsdeputationshauptschluß unter der Regie Napoleons das Ende des Fürstbistums: Forst wurde badisch.

Die Forster haben unter den Fürstbischöffen vergleichsweise nicht schlecht gelebt, wovon der Spruch stammt „unter dem Krumstab ist gut leben“. Frondienste gab es natürlich auch hier, jedoch waren sie im Gegensatz zur Leibeigenschaft keine persönlichen Dienste, sondern Dienste, die von den einzelnen Gemeinden zu Gunsten des Staates geleistet werden mussten, d.h. die Durchführung lag in der Hand der örtlichen Verwaltung. Daneben gab es eine Fülle von Steuern, zunächst hauptsächlich Naturalsteuern, die erst langsam in Geldsteuern umgewandelt wurden.

Zu Beginn des 19.Jahrhunderts lebten in Forst ca.700 Menschen und zwar hauptsächlich von der Landwirtschaft; es gab Viehzucht: Hüh ner und Gänse - es gab sogar eine Hühnersteuer - Rindvieh und Schafe, wobei Kühe und Ochsen als Zugtiere dienten und einige Pferde. Angebaut wurden hauptsächlich Kartoffel und Getreide, aber auch schon Hopfen und später Tabak. Es ist klar, dass die Landwirtschaft als Erwerbsquelle mit der wachsenden Bevölkerung nicht Schritt halten konnte. So gab es immer mehr handwerkliche Berufe wie Maurer, Zimmerleute, Wagner, usw. In der Mitte des 19.Jahrhunderts wurden Eisenbahnen gebaut und auch das Bruchsaler Zuchthaus wurde 1848 fertig gestellt, so dass sich auch Beamten stellen ergaben. Trotzdem waren noch zur Mitte des 20.Jh. alte Begriffe wie „zackern“, gleich pflügen, „Welschkorn“ gleich Mais, „Krumbiere“ gleich Grundbirnen gleich Kartoffel, durchaus ge- bräuchlich.

Beispielhaft für die Entwicklung der Gemeinde ist die Entwicklung des Schulwesens in Forst. Verantwortlich für das Bildungswesen war haüptsächlich der Pfarrer, dem der Lehrer zu Seite stand. Sie mussten von der Gemeinde unterhalten werden. In Forst wird erstmalig 1650, also nach dem dreißigjährigen Krieg, ein Lehrer namentlich genannt. Da die Kinder im Sommer in der Landwirtschaft gebraucht wurden, beschränkte sich der Unterricht auf das Winter halbjahr, von Martini bis Ostern. Um existieren zu können, musste der Lehrer auch noch Mesnerdienste verrichten, was ihm bei Taufen und Beerdigungen zusätzliche Einnahmen brachte, außerdem betrieb er meist zusätzlich noch eine kleine Landwirtschaft. Bis 1735 übten auswärtige Lehrer die Tätigkeit aus. In diesem Jahre wurde erstmals ein 20jähriger Forster eingestellt, Christian Weindel, der später auch die Ganzjahrsschule einführte. Die Bezahlung war selbst unter den existierenden Verhältnissen miserabel. Der Untericht fand bis 1740 in der Lehrerwohnung statt, die sich an der Stelle des heutigen Rathauses befand, wobei für ca.100 Kinder 2 Räume zur Verfügung standen, davon diente ein Raum als Wohnzimmer des Lehrers. Die Schulraumverhältnisse in Forst waren das gesamte 19.Jahrhundert sehr schwierig, immerhin gab es 1841 301 Schüler. Eine Besserung tart erst mit dem Neubau in der Josefstraße im Jahre 1905 ein.

Eine wichtige Bewegung des 19.Jahrhunderts war durch das Bevöl kerungswachstum bedingt: die Landwirtschaft konnte die Menschen nicht mehr ernähren und die Industrie war noch nicht so weit, alle zu beschäftigen. Die Auswanderung des 18.und 19. Jh.war eine Lösung des Problems. Sie ist dadurch so gut dokumentiert, weil der Staat in jedem Einzelfall prüfte ob alle Verpflichtungen erfüllt seien. Die erste Welle war bedingt durch die Niederlagen der Türken gegen Ende des 17.Jh. und deren Verdrängung aus dem Balkan. Der Kaiser suchte Menschen für die leer gewordenen Donauländer und er suchte sie primär in den österreichischen und süddeutschen Ländern. Die zweite Welle der Auswanderung, beginnend ab etwa 1830, ging nach Südamerika. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. standen die USA als Ziel im Vordergrund. Bis zum Ende des Jahrhunderts wanderten ca 100000 Badener nach Nordamerika aus, darunter 107 Forster.

Trotz der schwierigen Verhältnisse leisteten sich die Forster eine ganze Reihe von Gasthäusern, deren Gründung nach dem 30jährigen Krieg liegt. Man kann annehmen, dass sie um 1700 entstanden. Einige davon sind jedoch geschichtlich erwähnt:

Der Ritter; Wirt war 1760 Liborius Böser
Die Krone; 1801 starb der Wirt Weindel. Das Anwesen musste an-schließend versteigert werden.
Die Rose; Wirt Felix Krämer war aktiv bei der Revolution 1848/49
Der Löwen; Wirt Josef Diehl; Mitglied der Gründungsversammlung der revolutionären Bewegung in Forst.
Der Kaiser; Max Böser begann 1896 mit einer Mälzerei
Der Hirsch; Vogt Johann Georg Weindel, er war auch Hirschwirt.
Er starb 1836 im Alter von 75 J.

Alle Gasthäuser brauten früher ihr eigenes Bier, da es noch nicht haltbar hergestellt werden konnte.

Im Verlauf des 19. Jh. war die Entwicklung der Gemeinde nach der Napoleonischen Aera und nach der Entstehung Badens ruhig. Die Revolution 1848/49 brachte in Forst zwar viel Aufregung, zumal es auch einige Gefechte in der Nähe gab, jedoch kaum negative Auswirkungen für die Forster selbst, es gab nur Mitläufer.

Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts stieg die Bevölkerung von Forst auf 2700, was hauptsächlich auf die geringere Kindersterblichkeit in den letzten Jahrzehnten zurückging. Das Wachstum der Gemeinde war langsam aber stetig; die zunehmende Industrialisierung ergab auch eine zunehmende Menge an Menschen, hauptsächlich Männer, die auswärts, sehr viele in Bruchsal und Karlsruhe, ihr Brot verdienten. Die Entwicklung wurde durch den ersten Weltkrieg und die nachfolgende Wirtschaftskrise unterbrochen. Im ersten Weltkrieg beklagte Forst 84 gefallene Bürger bei etwa 2500 Einwohner, von direkten Schäden blieb es verschont. In den nachfolgenden wirtschaftlich schlechten 20er Jahre stieg die Auswanderung noch einmal stark an. Nach der Scheinblüte der 30er Jahre erfolgte mit dem 2.Weltkrieg wiederum ein starker Einschnitt; neben den Soldaten fielen auch viele Zivilisten dem Moloch Krieg zum Opfer. Von größeren direkten Schäden blieb Forst auch dieses Mal verschont.

Der Zustrom vieler Flüchtlinge aus dem ehemals deutschen Osten ergab einen Sprung in der Zahl der Einwohner. Trotzdem blieb auch in den sehr schlechten Zeiten die Versorgung in Forst halbwegs intakt. Nach dem ersten Weltkrieg hatte sich eine Struktur der Landwirtschaft herausgebildet, die neben den Voll-Landwirten viele Arbeiter und Handwerker als Nebenlandwirte umfasste. Dies bedeutete, dass sie neben ihrer normalen Arbeit noch einige Äcker bewirtschafteten. In den schlechten Kriegs-und Nachkriegsjahren des 2.Weltkrieges hieß das, dass die Mütter die Äcker bewirtschafteten, während die Väter als Soldat bzw. in Gefangenschaft weg waren. Ein Acker mit Getreide und ein Acker mit „Krumbirre und Welschkorn“, mit der Möglichkeit ein Schwein aufzuziehen, machte die Familie zum Selbstversorger. Auch die Kinder mussten dabei ihren Teil leisten, was durch Heu- und Ernteferien auch von der Schule unterstützt wurde. Allerdings hatten wir als Kinder im Gegensatz zu vielen anderen kaum einmal Hunger. Im Laufe der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts normalisierten sich die Verhält-nisse. Forst wurde zu einer blühenden Wohngemeinde mit heute ca. 7500 Einwohner und einer beneidenswerter Infrastruktur.

Eingangs wurde darauf hingewiesen, dass die Forster Familien Burkard und Weindel etwas näher betrachtet werden sollten. In den noch vorhandenen Unterlagen treten vor dem dreißigjährigen Krieg die Namen, auch in den verschiedenen Schreibweisen, nicht auf. Es ist also anzunehmen; dass sie sich in der Bevölkerungsumschich- tung nach diesem Krieg in Forst niederließen. 1739 wurde für Forst ein Berain (ein Art Grundbuch) aufgestellt, darin werden als Forster Bürger folgende Namen aufgeführt: Liborius Böser als Stabsverwalter und als Gerichtsmänner (Vertreter der Bevölkerung) Christian Obhof, Adam Lackes, Jakob Burchard, Johannes Fernenkes und Friedrich Heslinger. Da man im Fürstbistum Speyer nicht sofort Bürger wurde, ist anzunehmen, dass dies schon mindestens die zweite Generation war, die in Forst ansässig war. Die Kommision tagte im Kronenwirtshaus.
In einer anderen Urkunde aus dem Jahre 1746 wird ein Jakob Burkardt, Alter 48, dessen Eltern aus der Bühler Gegend stammten, genannt. In der selben Urkunde wird ein Christian Obhof aufgeführt, dessen Eltern aus der Limburger Gegend stammten. Es ist anzunehmen, dass bei einem Bestand von ca.100 Familien, es sich bei dem Jakob Burkardt um dieselbe Person handelt.

In einem „Schatzungsregister“(Steuerliste) aus dem Jahre 1756 treten u.a. neben Jakob Burkhard als Anwalt, Namen wie Burkhardt Michel,Bacher(1x),Burger(3x),Etzkorn(1x),Obhof(3x),Firnkes(2x) Luft(2x),Witwe Böser(2x),Laccus(2x),Wiedemann(4x) und Weindel(6x) auf. Aus einem Versteigerungsprotokoll aus dem Jahre 1797 ist die Gemeindeverwaltung bekannt: Neben Vogt Georg Weindel werden aufgeführt Johannes Schrag, Franz Lutz, Johannes Weinmann, Georg Michel Dozer, Peter Wiemeier,Georg Willhauk und Adam Borkert.
Vogt Georg Weindel wurde 1830 nach 33 Dienstjahren von Heinrich Luft abgelöst; er starb 1836 im Alter von 75 Jahren „als Bürger, Bauer, ehemaliger Vogt und Hirschwirt“.

Vom 24.Dez.1818 ist eine Huldigungsliste Forster Bürger an den Großherzog bekannt. Es handelte sich um so etwas wie einen Eid auf den Landesherrn Ludwig Wilhelm August, Großherzog von Baden. Sie enthält neben Georg Weindel als Vogt die Namen von 175 Forster Bürger. Darunter sind Adam Burkard und Philipp Jakob Burkard, Georg Anton Weindel, Emanuel Weindel, Joseph Weindel, Johannes Weindel, Alexander Weindel und Adolph Weindel; daneben finden sich viele Forster Namen wie Bacher, Böser, Lackus, Hintermeyer, Wiedemann, Burger, Huber, Veith, Obhof, Etzkorn, Blum-enhofer, Leybold, Pfahler, usw.

Abschließend einen Blick auf die Entstehungsgeschichte der Familiennamen Weindel und Burkard.

Über die Herkunft des Namens Weindel findet man kaum etwas, man nimmt an, dass er aus einem Rufnamen entstand. Untersucht man das Vorkommen in Deutschland, so ist die Verteilung über Deutschland sehr gleichmäßig mit einer relativen Spitze im mittelbadischen Raum.
Für den Namen Burkard dagegen sieht die Verteilung ganz anders aus: man kann sagen, ca.80% aller Burkards leben in den süddeutschen Staaten, in Franken (nicht in den altbayrischen Gebieten) in Vorderösterreich und in der deutschsprachigen Schweiz.
Dazu gibt die Historie eine naheliegende Erklärung: Der heilige Burkard, auch Burkhard oder altenglisch Burgheard, lebte von 683 bis 755, er war ein Benediktiner aus Südwestengland, der im Ge-folge von Bonifatius nach Germanien kam um zu missionieren. Er war von 741 bis 754 der erste Bischof von Würzburg. Er gründete dort das Benediktinerkloster St. Andreas, das später in St.Burkard umbenannt wurde und das noch heute existiert. Er machte Reisen nach Paris und Rom und besuchte die Synoden von 743 und 747. Laut Überlieferung legte er 754 seine Ämter nieder und wurde Einsiedler in Homburg(Main). Dort starb er 755. Seine Gebeine ruhen seit 988 in dem von ihm gegründeten Kloster in Würzburg. Im Mittelalter wurde das Fest des heiligen Burkard (14.Oktober) wie ein Hochfest gefeiert.
Es ist anzunehmen, dass solche Mönche nicht ohne heimatlichen Schutz in ihnen nicht unbedingt freundliche Gebiete reisten, sondern dass ein Tross von Gefährten sie begleitete, die nicht gerade theologische Aufgaben hatten. Es ist deshalb naheliegend, dass diese Gefährten „die Burkards“ genannt wurden.

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